12.11.2011 - Land
Themengebiet: CDU, Interview
Generalsekretär Peter Beuth im Interview: Zukunftswerkstatt zeigt ein buntes Bild der CDU Hessen
Generalsekretär Peter Beuth hat mit hr-online über die Zukunftswerkstatt der CDU Hessen und die Herausforderungen und Themen der Zukunft gesprochen. Lesen Sie hier das Interview:
hr-online: Herr Beuth, in Ihrer Zukunftswerkstatt 2025 der hessischen CDU haben Sie Bürger aufgefordert, Themen und Ideen einzureichen. Welche Zukunftsthemen beschäftigen die Bürger am meisten?
Peter Beuth: Die größte Herausforderung, die sowohl Bürger als auch Politiker beschäftigt, ist der demografische Wandel – vor allem die Auswirkungen auf die Bereiche Familie, Soziales und Wirtschaft. Das Jahr 2025 haben wir für die Zukunftswerkstatt ja nicht willkürlich gewählt. Zwischen 2025 und ungefähr 2030 werden die geburtenstarken Jahrgänge alle aus dem Arbeitsprozess ausscheiden.
Wir werden bis dahin nicht genügend junge Leute haben, die diese Lücke füllen können, was die Situation für unsere Sozialsysteme und die Wirtschaft schwierig macht. Mit der Verankerung der Schuldenbremse in der Verfassung haben wir schon einen wesentlichen Beitrag dazu geleistet, dass es in unserem Land gerechter zugehen wird. Denn die jungen Menschen müssen die Folgen der demografischen Entwicklung tragen.
hr-online: Was geschieht konkret mit den Ideen aus der Zukunftswerkstatt?
Peter Beuth: Wir haben eine Arbeitsgruppe gebildet, die sich mit dem bunten Strauß an Themen beschäftigen wird. Zu dem Kreis gehören zum Beispiel Karin Wolff, Thomas Schäfer, Boris Rhein und Astrid Wallmann. Im Moment sammeln wir noch Ideen. Im kommenden Frühjahr wollen wir dann entscheiden, welche konkreten Schritte sich daraus entwickeln.
hr-online: Die Namen, die Sie eben genannt haben, gehören ja eher der jüngeren Generation an. Ist das die CDU-Führungsriege der Zukunft?
Peter Beuth: Natürlich hat die jüngere Generation ein großes Interesse an den Fragen, die 2025 eine Rolle spielen. Deswegen ist der Kreis so zusammengekommen.
hr-online: Und die Thesen aus der Zukunftswerkstatt sollen in ein Grundsatzpapier einfließen.
Peter Beuth: Genau. Das Ziel ist, ein paar Themen zu identifizieren, die wir in der praktischen Politik umsetzen können. Manche Positionen können sicherlich zusammengeführt werden, bei anderen muss man abwägen und sich für eine Seite entscheiden.
hr-online: In den vergangenen Monaten haben sich viele CDU-Mitglieder bei Entscheidungen, wie etwa zur Bundeswehr oder Atomkraft, von der Bundesspitze übergangen gefühlt. Versuchen Sie einen Gegenentwurf zu starten, indem Sie erst einmal bei der Basis nachfragen und dann ein Programm daraus erstellen?
Peter Beuth: Für die großen gesellschaftlichen Fragen, die uns in der Zukunftswerkstatt bewegen, nehmen wir uns bewusst Zeit. Wir wollen als Volkspartei einen Prozess von unten nach oben anstoßen und sehr breit anlegen. Ich würde es deshalb nicht als Gegenentwurf ansehen. Dort wo es möglich ist, muss sich die Partei auch einmal die Zeit nehmen, Diskussionen breit zu führen.
hr-online: Einige Bürger haben in der Zukunftswerkstatt auch Fragen zur Kinderbetreuung gestellt. Dabei handelt es sich doch eher um ein Problem der Gegenwart.
Peter Beuth: Das stimmt, viele Bürger bringen auch Aktuelles ein. Ich denke, wir sind bei der Frage der Betreuung auf einem guten Pfad. Wir haben mit dem beitragsfreien letzten Kindergartenjahr einen wesentlichen Sprung gemacht, weil wir den Übergang zur Schule besser organisiert haben. Auch was die Betreuung der Unter-Dreijährigen angeht, machen wir große Sprünge. Das ist regional natürlich unterschiedlich. In meiner Heimatstadt ist es zum Beispiel kein Problem ein Kind unterzubringen, in anderen Städten ist die Herausforderung größer. Es ist aber unstreitig, dass wir weitere Anstrengungen unternehmen müssen.
hr-online: Die Zukunftswerkstatt zeigt ein buntes Bild der Hessen-CDU. Bei dem Bild, das die Partei sonst nach außen gibt, würde man das gar nicht so vermuten. Haben Sie als Generalsekretär, der die Truppe zusammenhalten muss, nicht manchmal die Sehnsucht, Themen differenzierter zu diskutieren?
Peter Beuth: Ich habe immer die Gelegenheit, Fragen differenzierter zu diskutieren, aber ich muss das ja nicht ständig in der Öffentlichkeit tun. Ich freue mich, dass ich mich mit guten Freunden und politischen Weggefährten austauschen kann. Aber es gehört natürlich zur Rolle des Generalsekretärs der CDU, dass er versucht, den Weg klar zu beschreiben. Und in der modernen Medienwelt findet man eher Gehör, wenn man die Dinge zuspitzt.
hr-online: Falls Innenminister Boris Rhein im kommenden Jahr Nachfolger der Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth werden sollte, dreht sich das Personalkarussell in Wiesbaden wieder. Liebäugeln Sie mit einem Ministerposten?
Peter Beuth: Ich habe eine wunderbare Aufgabe als Generalsekretär der hessischen CDU. Ich bin sehr zufrieden.
hr-online: Und wo sehen Sie sich in zehn Jahren?
Peter Beuth: Das kann ich Ihnen nicht sagen. Aber es ist auch nicht so, dass ich jeden Schritt vorausplane - und geschweige denn, dass man in der Politik jeden Schritt vorausplanen kann.
Mit Peter Beuth sprachen die hr-online-Redakteure Susanne Mayer, Christian Albrecht und Frank van Bebber.
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